Kanalinseln im Ärmelkanal

Channel Islands – das Monaco Englands

Mit der Bezeichnung „Kanalinseln“ (engl.: „Channel Islands“, frz.: „Îles Anglo-Normandes”) ist eine im Ärmelkanal, unweit der nordfranzösischen Küste gelegene Inselgruppe benannt. Die nicht nur in Hinblick auf ihre staatliche Verfasstheit eine Sonderstellung unter den Gebieten Europas einnimmt. Auch sind die Inseln wunderschön und ein Urlaubsparadies.

Geographie, Geologie und Klima

Die meisten, aber nicht alle im Großbritannien und das europäische Festland trennenden Ärmelkanal (English Channel, La Manche) gelegenen Inseln gehören zu den Kanalinseln. So wird die Portsmouth vorgelagerte englische Isle of Wight ebenso wenig zu den Kanalinseln gezählt wie die kleinen, zu Frankreich gehörigen Chausey-Inseln (15 km westlich von Granville) oder die Bréhat-Inseln vor der Bretagne-Küste. Die Kanalinseln liegen ungefähr 20 bis 30 km westlich der Normandie-Halbinsel Cotentin in der Ärmelkanal-Bucht Golf von Saint-Malo. Der Archipel erstreckt sich auf 70 km von den Minkies (Les Minquiers) im Süden bis Alderney im Norden. Neben den Hauptinseln Jersey (120 qkm, 100.000 Einwohner), Guernsey (63 qkm, 60.000 Einwohner) und Alderney (8 qkm, 2.000 Einwohner) gibt es noch eine Reihe kleinerer und zum Teil unbewohnter Inseln.

Die Highlights …

Die Kanalinseln gegliedert in drei Regionen.

Kanalinseln

Die Südregion bilden die größte und bevölkerungsreichste Insel Jersey und die sie umgebenden Riff-Inselgruppen Les Dirouilles, Les Pierres de Lecque und Ecrehous im Norden sowie Minkies im Süden. Bei Hochflut sind die unbewohnten Riffinseln fast vollständig von Wasser bedeckt. Auf einigen dieser Inselchen gibt es Steingebäude, die vor allem als Ferienhäuser in Sommer genutzt werden. In der Mittelregion der Kanalinseln liegt Guernsey. Wenige Kilometer östlich verteilen sich Sark (5,5 qkm, 500 Einwohner), Herm (2 qkm, 80 Einwohner) sowie einige Kleinstinseln wie Brecqhou und Jethou. Unmittelbar unter der Westküste von Guernsey erstreckt sich das 0,2 qkm große Eiland Lihou.

Zur Insel Alderney (8 qkm) im Norden gehören geografisch die vor deren Westküste aufgereihten Inselchen Burhou, Renonquet und Ortac sowie die Riff-Gruppe Les Casquets. St. Anne, der einzige Ort von Alderney, zählt etwa 2000 Einwohner.

Die aus Tiefengesteinen bestehenden Kanalinseln sind die Gipfelreste eines vor etwa 12.000 Jahren zum größten Teil vom Meer überfluteten Gebirgsmassivs. Die Insellandschaften sind sowohl durch steile Küstenhänge und Hügelland als auch durch sanft abgeflachte Plateaus mit weiten Buchten, Dünen und Stränden charakterisiert. Waldungen finden sich auf den Inseln nur wenige. Die höchste Insel-Erhebung ist mit 143 m Höhe der Hügelkamm Les Platons auf Jersey.

Ihrer geschützten Lage in einer Meeresbucht und vor allem dem Einfluss des Golfstroms haben die Inseln ein ausgesprochen mildes Klima zu verdanken. Minus-Temperaturen sind überaus selten. Dementsprechend vielfältig sind die Fauna und vor allem die etwa 900 verschiedene Arten umfassende Flora der Inseln. Eine nur auf den Inseln heimische Pflanze ist die als florales Symbol geschätzte Guernsey-Lilie. Wappenblume Jerseys ist die Belladonna-Lilie („Jersey Lily“).

Städte und Bevölkerung

Insgesamt leben knapp 170.000 Menschen auf den Kanalinseln. Acht der Inseln sind dauerhaft bewohnt. Die Bevölkerungsdichte der von der Flächengröße in etwa mit Sylt vergleichbaren Insel Jersey hat mit 860 Einwohnern pro Quadratkilometer Großstadtqualität. Jersey ist administrativ in zwölf „Parishes“ genannte Kommunen gegliedert. Die Inselhauptstadt St. Helier mit 33.000 Einwohnern ist die einwohnerstärkste. Die Hauptstadt der ähnlich dicht wie Jersey besiedelten Insel Guernsey, St. Peter Port, ist mit knapp 20.000 Einwohner der zweitgrößte Ort der Kanalinseln.

Die Bewohner von Jersey, Guernsey, Alderney, Sark und Herm betonen bei vielen Gelegenheiten durch nicht immer ernst zu nehmende Abgrenzungen gern ihre eigene Eigenarten und die Unterschiede zu den jeweils anderen Inselbevölkerungen. So werden zum Beispiel die Jersey-Bewohner nach einer auf ihrer Insel endemischen Kröten-Art „Crapauds“ genannt. Die Guernsey-Bewohner tragen wegen ihrer angeblichen Sturheit den Beinamen „Anes» („Esel“). Alderney-Einheimische werden als „Lapins“ („Kaninchen“) bezeichnet. Von den Insulanern wird üblicherweise Englisch gesprochen, aber es gibt immer noch viele Bewohner, die normannische Dialekte wie Guernsey-French oder Jersey-French pflegen.

Nicht zuletzt wegen des milden Klimas begannen die Kanalinseln nach Beginn des Tourismus-Zeitalters im 19. Jahrhundert immer mehr Feriengäste anzuziehen. Damals wurde auch der bis heute anhaltende Trend begründet, sich als wohlhabender „Resident“ dauerhaft auf den Inseln niederzulassen.

Das bieten die Inseln

Das im Vergleich zu Jersey weniger mondäne Guernsey bietet ebenfalls eine Landschaft mit steilen Klippen und weiten Stränden. Insbesondere die weitgehend unberührte Südküsten-Region wird von Naturliebhabern und Wanderfreunden geschätzt. Nicht nur für Schiffsliebhaber sehenswert istdas Fort Grey Shipwreck Museum in Rocquaine. Little Chapel, die mit 15 qm Grundfläche mutmaßlich kleinste Kirche der Welt, steht in St. Andrews.

Staatliche Struktur

Die Kanalinseln bilden als Rechtssubjekte keine zusammenhängende staatsrechtliche Einheit. Sie teilen sich bei allen kulturellen und historischen Gemeinsamkeiten in zwei vollkommen voneinander unabhängige Entitäten auf. Zum einen in die Jersey und deren Riffinseln umfassende Bailiwick (Vogtei) of Jersey sowie in die Bailiwick of Guernsey mit den übrigen Kanalinseln.

Innerhalb der Bailiwick von Guernsey haben Alderney und Sark unterschiedlich stark ausgeformte Autonomierechte. An der Spitze einer Bailiwick steht der Bailiff. Die Kanalinseln befinden sich in einem Sonderverhältnis zu Großbritannien. Sie sind weder Teil des Vereinigten Königreichs wie England oder Nordirland noch ein britisches Überseegebiet wie Bermuda, Gibraltar oder die Pitcairn-Inseln. Stattdessen haben die beiden Bailiwicks im Englischen Kanal wie auch die Isle of Man den Status von Kronbesitzungen (Crown Dependencies). Das heisst, sie unterstehen unmittelbar der britischen Königin und nicht britischen Behörden, Parlamenten oder Gerichtsbarkeiten.

Faktisch werden die Kanalinseln aber im Außenverhältnis und in Verteidigungsfragen von dem als Schutzmacht auftretenden Vereinigten Königreich vertreten. Zum Unterschied zu Großbritannien sind Jersey und Guernsey jedoch nie Teil der EU geworden. Allerdings gehören die Inseln dem EU-Zollgebiet an.

Bei den inneren Angelegenheiten handeln die beiden Bailiwicks vollkommen selbstständig. Sie haben eigene Parlamente und eigene Exekutivorgane. Für Alderney und Sark gibt es spezielle Regelungen. Die Unabhängigkeit der Inseln spiegelt sich auch in ihrem Recht auf eine eigene Währung wider. Das Jersey Pound und das Guernsey Pound entsprechen im Wert dem auf den Inseln ebenfalls als Zahlungsmittel akzeptierten britischen Pound Sterling. Jersey und Guernsey haben eigene Briefmarken und führen eigene internationale KfZ-Kennzeichen (GBJ beziehungsweise GBG). Als Zeichen von Alderneys Autonomie innerhalb der Bailiwick of Guernsey dürfen die wenigen auf Alderney angemeldeten Kraftfahrzeuge das Nationalitätskennzeichen GBA führen.

Wirtschaftliche Verhältnisse

Das günstige Klima, in dem sogar Bananen- und Palmpflanzen gedeihen, hat den Aufbau von landwirtschaftlichen Strukturen auf den Inseln begünstigt. So wurden neben Getreide auch wärmeliebende Sorten von Gemüse, Obst und Blumen (z.B. Orchideen) zu insbesondere für den Export wichtigen Anbau-Pflanzen. Zu den bekanntesten Agrarprodukten der Inseln gehören die Wolle der hier gehaltenen Schafe, die als besonders schmackhaft geltenden Frühkartoffeln „Jersey Royals“, die in Treibhäusern gezogenen Insel-Tomaten „Guernsey Toms“ sowie Milch und Fleisch der einheimischen, kleinwüchsigen J“ersey Cows“. Der Agrarsektor trägt wie auch die früher bedeutende Fischerei mittlerweile im Gegensatz zu vergangenen Zeiten nur noch zu einem kleinem Teil zum Wirtschaftsaufkommen der Kanalinseln bei.

Dominierend sind heute dagegen die Bereiche Tourismus und Finanzen. Der seit den 1970er Jahren florierende Finanzsektor wird wesentlich durch die niedrigen, vom britischen Steuersystem unabhängigen Steuern begünstigt. Der Steuersatz für Unternehmen, die in Jersey oder Guernsey registriert sind, liegt in der Regel bei Null. Lediglich für eine Reihe bestimmter Finanztransaktionen werden Abgaben in Höhe von zehn Prozent erhoben. Die Steueroasen Jersey und Guernsey haben eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Allerdings sind die Lebenshaltungskosten auf den Inseln auch überdurchschnittlich hoch. Deswegen sind sie für Urlauber leider etwas teurer.

Die meisten Touristen, die auf die Kanalinseln kommen, befinden sich in ihrer zweiten Lebenshälfte. Deswegen verfügen sie über ein komfortables Urlaubsbudget. Die touristischen Angebote sind vor allem auf diese Zielgruppe ausgerichtet. Es gibt aber durchaus auch preisgünstige Unterkünfte sowie Stätten eines die Amüsierbedürfnisse jüngerer Besucher bedienenden Nachtlebens. Zum einen Bars, aber auch ein Festival mit viel Live-Musik.

Urlaub

Die klimatisch verwöhnten Kanalinseln haben ihren Gästen viel zu bieten. Außer mit ihren beeindruckenden, vom Meer umgebenden Naturlandschaften können Jersey, Guernsey und die anderen Inseln mit manchen Sehenswürdigkeiten und etlichen Sportangeboten aufwarten. Zudem sind die Channel Islands bekannt für ihre britische und französische Elemente verbindende Kochtradition und einen hervorragende gastronomische Infrastruktur.

Das durch seinen Flughafen an den internationalen Luftverkehr angeschlossene Jersey ist bekannt für hervorragende Bade- und Wassersportmöglichkeiten an Stränden wie Royal Bay bei Grouville im Osten der Insel oder dem Surfer-Treff am Strand St. Quen.

Historisch Interessierte sollten auf dem Friedhof von St. Saviour das Grab von Lily Langtry (1853 – 1929) besuchen. Die klassisch-schöne Jersey-Frau war einst offizielle Mätresse des späteren Königs Eduard VII. Sie hat die Band The Who zu dem Hit „Pictures of Lily“ inspiriert. Jersey ist für Wandertouren und vor allem für Radfahrten sehr gut geeignet. Bei der Straßennutzung ist darauf zu achten, dass auf den Kanalinseln Linksverkehr herrscht.

Die architektonischen Hauptsehenswürdigkeiten der kleinen, durch schroffe Felsennatur geprägten Insel Alderney sind die zahlreichen, heute zumeist verfallenen Befestigungsanlagen, die Napoleon I. abschrecken sollte, die Insel anzugreifen. Die deutschen Besatzer haben diesen Festungsgürtel ab 1940 zum Teil als Basis für ihre Bunker und Kasematten genutzt. Touristisch wird Alderney von Urlaubern bevorzugt, die Ruhe und besondere Abgeschiedenheit zu schätzen wissen.

Sark, die viertgrößte der Kanalinsel. Sie gliedert sich in zwei felsige, 100 m aus dem Meer ragenden Teile: Great Sark und Little Sark. Verbunden sind diese Teile durch einen „La Coupee“ genannten, sehr schmalen Felsgrat.

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