Geschichte der Kanalinseln

Geschichte

Die staatsrechtliche Sonderstellung der Kanalinseln ist besonders. Sie ist Ergebnis ihrer sich von der Geschichte der britischen Inseln unterscheidenden historischen Entwicklung als Teil der Normandie.

Die Normandie war 487 nach König Chlodwigs I. Sieg über die Römer Teil des Merowinger-Reiches geworden. 911 wurde es Wikinger-Herzögen (Normannen) zum Lehen gegeben.
Das sich bald von der fränkischen Oberherrschaft lösende Herzogtum Normandie schrieb 1066 Weltgeschichte. In diesem Jahr eroberte der normannische Herzog Wilhelm II. England. Er begründete eine auf beiden Seiten des Kanals regierende Dynastie.

Das Anglo-Normannische Reich umfasste im 12. und 13. Jahrhundert als „Angevinisches Reich“ außerhalb von Großbritannien neben der Normandie zeitweise auch die Bretagne und Südwestfrankreich. Nach dem Erstarken des französischen Königshauses verloren die englisch-normannischen König-Herzöge aber bis 1559 sämtliche festländischen Besitzungen in Frankreich. Allein die 1204 mit einem Sonderstatus privilegierten Kanalinseln blieben ihnen dauerhaft als Rest des Herzogtums Normandie erhalten.

Das Unterstellungsverhältnis der Kanalinseln unter die Herrschaft der britischen Monarchen leitet sich folgerichtig nicht von deren Eigenschaft als englische beziehungsweise britische Herrscher ab, sondern von deren bis heute geführten Titeln als Herzogin beziehungsweise als Herzog der Normandie.

Die Kanalinseln dienten England vom Mittelalter bis zum Ende der Napoleon-Zeit als wichtige Stützpunkte gegen Frankreich. Sie wurden dementsprechend befestigt. Immer wieder wurden die Inseln und ihre Gewässer Schauplätze von Gefechten. Kurzzeitig waren einzelne Inseln von französischen Truppen besetzt.


Späte Geschichte

Die Loyalität der Channel Islanders zu ihrem Herzog in London wurde durch weitgehende Garantien von Autonomie- und Bürgerrechten gefördert. Während des Bürgerkriegs zwischen Royalisten und Cromwell-Anhängern fand der bedrängte englische König Karl II. 1649 Asyl auf Jersey. Auch für andere berühmte Exilanten wie den Schriftsteller Victor Hugo sind die Kanalinseln immer wieder Rückzugsort geworden. Im 18. Jahrhundert entwickelten sich die Inseln zu Hochburgen von Schmuggel, Strandräuberei und von der englischen Krone erlaubten Kaperei nichtbritischer Schiffe.

Nicht zuletzt wegen des milden Klimas begannen die Kanalinseln nach Beginn des Tourismus-Zeitalters im 19. Jahrhundert immer mehr Feriengäste anzuziehen. Damals wurde auch der bis heute anhaltende Trend begründet, sich als wohlhabender „Resident“ dauerhaft auf den Inseln niederzulassen.

Einen drastischen Einschnitt in der neuesten Geschichte stellte die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg dar. Vor dem Zusammenbruch der alliierten Front in Frankreich im Juni Ende 1940 zog das britische Militär von den Inseln ab. Ein Teil der Bevölkerung wurde ebenfalls nach Großbritannien gebracht. So fast die gesamte Bevölkerung von Alderney. Vom 1. Juli 1940 bis zur deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 waren die Kanalinseln als einziges zur britischen Krone gehörendes Gebiet von deutschen Truppen besetzt.

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Die Besatzungszeit gestaltete sich für die einheimische Bevölkerung im Vergleich zu den Betroffenen in anderen besetzten Ländern erträglich. Die Verwaltung und die meisten Insulaner arrangierten sich mit den Besatzern. Nur einige leisteten Widerstand. Extrem waren die Bedingungen für die tausenden Zwangsarbeiter und die KZ-Häftlinge des Lagers Sylt auf Alderney, die auf den Inseln von den Nazis zum Bau umfangreicher Befestigungsanlagen gezwungen wurden.